Sportwissenschaftliche Tagung an der ETH
Chancen und Grenzen von Testen und Messen
Das Thema der zweiten Jahrestagung der Sportwissenschaftlichen Gesellschaft der Schweiz (SGS) war «Testen und Messen in der Sportwissenschaft». Absicht war eine vertiefte und auch kritische Auseinandersetzung mit der Thematik, die ja für die Sportwissenschaft zentral ist. Die über 150 Teilnehmer im modernen Siemens Auditorium der ETH Hönggerberg wurden begrüsst durch den SGS-Präsidenten Bernard Marti (Magglingen) sowie Kurt Murer, als Vorsteher des Instituts für Bewegungswissenschaften und Sport der ETH Zürich Gastgeber der Veranstaltung.
Im Eröffnungsreferat zeigte Urs Mäder (Magglingen) auf, wie schwierig eine korrekte Erfassung der Aktivität von Kindern ist, auch wenn statt Fragebögen vermeintlich objektive Beschleunigungsmesser zur Quantifizierung von Umfang und Intensität der Alltagsaktivität verwendet werden.
Urs Moser (Institut für Bildungsevaluation Uni Zürich) zeigte die Chancen und Grenzen von Testen und Messen im Sport aus der Aussensicht eines Bildungsforschers auf. Er verglich die Diskussionen um die Einführung von Standards für den Sportunterricht mit der Entwicklung in anderen Fächern. «Die Schweizer Bildungspolitik setzt mit der geplanten Verabschiedung von Bildungsstandards in vier Fachbereichen und einer entsprechenden Qualitätssicherung in der Schule auf Testen und Messen.» Die Standards sind häufig unbestritten, solange sie nicht mit einem Test überprüft werden sollen. Allerdings bildet gerade die Überprüfbarkeit die Basis ihrer Legitimation.
Motorische Tests bei Senioren und in der Rehabilitation
Dass motorische Tests nicht nur bei Kindern zum Einsatz kommen, sondern auch in der Rehabilitation und bei älteren Menschen eine grosse Bedeutung haben, zeigten Brigitte Wirth und Eling De Bruin (ETH Zürich) in ihrem kurzen Vortrag. Sie schöpften aus dem Vollen und zeigten die vielen verschiedenen Messmethoden, die an der ETH in dieser Zielgruppe zum Einsatz kommen.
Motorische Tests zur sportlichen Talentselektion
Am zweiten Tag drehte es sich vor allem um den Einsatz sportmotorischer Tests bei Kindern und Jugendlichen. Im ersten Block ging es um die Frage, ob sportmotorische Tests zur Selektion von Sporttalenten eingesetzt werden können. Thomas Rosser (Uni Bern) stellte in seinem Referat die neue Sporttestdatenbank (www.sporttests.ch) vor und berichtete über den Einsatz von Leistungstests im Schweizerischen Skiverband.
Andreas Krebs (ETH Zürich) berichtete über den Einsatz einer sportmotorischen Testbatterie bei der Selektion von siebenjährigen Kindern zum Begabtenförderprogramm Talent Eye in der Stadt Zürich. Abschliessend wies Achim Conzelmann (Uni Bern) darauf hin, dass sich die Entwicklung der motorischen Leistungsfähigkeit über die Kinder- und Jugendjahre individuell erheblich unterscheidet und deshalb kaum eine verlässliche Prognose über mehrere Jahre möglich ist.
Motoriktests bei Kindern und Jugendlichen
Im zweiten Block wurde der Einsatz von sportmotorischen Tests bei Kindern und Jugendlichen allgemeiner abgehandelt. Lukas Zahner (Uni Basel) berichtete über die Kinder- und Jugendsportstudie (KISS), bei der vielfältige Interventionen zur Bewegungsförderung überprüft wurden. Roland Müller (ETH Zürich) präsentierte erste Resultate der Winterthurer Entwicklungsstudie, in der die individuelle motorische Entwicklung eines ganzen Jahrgangs von rund 900 Kindern über die Primarschulzeit untersucht wird. Tanja Kakebeeke (Abteilung Entwicklungspädiatrie, Kinderspital Zürich) berichtete über den Einsatz des Zürcher Neuromotoriktests bei der Abklärung von motorischen Auffälligkeiten. Wie bei den anderen Referenten zeigen die Resultate ihrer Studien vor allem eine sehr grosse Variabilitätsbreite der gemessenen Leistungen im gleichen Altersbereich.
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